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Ex-Prostituierte packt aus: So läuft es im Bordell wirklich

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In der ersten Folge einer Podcastreihe der Jungen EDU über Prostitution erzählt Graziella Vespucci von ihrem Weg in die Prostitution und ihrem Ausstieg. Laut den Gastgebern soll das Gespräch auch dazu beitragen, das Thema und das sogenannte Nordische Modell besser zu verstehen. Die möglichen Vor- und Nachteile dieses Modells werden in dieser Folge jedoch nicht ausführlich erörtert.

Vespuccis Erfahrungen

Vespucci berichtet, sie sei ohne Mutter aufgewachsen und habe familiäre Gewalt, Mobbing und fehlende Zugehörigkeit erlebt. Schon als Jugendliche habe sie mit psychischen Krisen zu kämpfen gehabt. Mit etwa 17 Jahren habe sie einen deutlich älteren Mann kennengelernt, der ihr Liebe und eine gemeinsame Zukunft versprochen habe. Rückblickend beschreibt sie sein Vorgehen als „Loverboy“-Methode: Er habe ihre Verletzlichkeit ausgenutzt, sie von ihrer Familie abgeschirmt und sie schließlich in ein Bordell gebracht.

Dort habe sie nach eigener Aussage lange Tage gearbeitet, sexuelle Handlungen und Fetische bedienen müssen und Gewalt, Vergewaltigungen und Kontrolle durch den Mann erlebt. Sie schildert, dass er ihr Geld an sich genommen und sie bedroht und geschlagen habe.

Später habe sie in der Schweiz in verschiedenen Bordellen und anderen Settings gearbeitet. Hohe Zimmermieten, Abgaben an Betreiber oder Vermittler und mangelnde Sicherheit seien dabei alltäglich gewesen. Sie sagt zudem, sie habe in der Schweiz kaum Schutz erlebt und der Polizei teilweise nur in der Rolle von Kunden begegnet. Diese Schilderungen geben ihre persönlichen Erfahrungen wieder.

Einschätzung von Prostitution und Selbstbestimmung

Vespucci widerspricht der Vorstellung, Prostitution sei grundsätzlich freiwillige Arbeit. Persönliche Notlagen, fehlende Unterstützung und Abhängigkeiten könnten die Entscheidungsfreiheit stark einschränken. Betroffene müssten sich häufig einreden, die Situation sei normal, und verschiedene Rollen spielen, um den Alltag auszuhalten.

Sie beschreibt Prostitution als ein System, in dem Menschen zur Ware würden und verschiedene Akteure – darunter Betreiber, Zuhälter, Kunden und Vermittler – wirtschaftlich beteiligt seien.

Prävention und Sexualität

Im Gespräch geht es auch um Pornografie, OnlyFans und die frühe Sexualisierung junger Menschen. Vespucci fordert mehr Prävention, Selbstwertgefühl und Aufklärung über Grenzen und gesunde Sexualität – auch für Jungen und Männer. Sie kritisiert, dass der Verkauf des eigenen Körpers teils als Feminismus oder Selbstbestimmung dargestellt werde.

Zugleich betont sie, Männer nicht pauschal zu verurteilen. Sie plädiert dafür, Selbstachtung, emotionale Offenheit und einen verantwortungsvollen Umgang mit Sexualität zu fördern. Der Gastgeber ergänzt, Gleichberechtigung bedeute gleiche Wertschätzung und gegenseitigen Respekt.

Ausstieg und heutiges Engagement

Nach ihrer Flucht aus der Beziehung und der Prostitution habe Vespucci Unterstützung bei der Organisation Heartwings gefunden. Sie wurde Mutter, holte einen kaufmännischen Abschluss nach und arbeitet heute als selbstständige Referentin und Präventionsvermittlerin.

Sie berichtet von Workshops und Schulbesuchen und setzt sich für Frauen ein, die noch in der Prostitution sind oder sie verlassen haben. Ihre Botschaft: Betroffene seien wertvoll, dürften Grenzen setzen und könnten Hilfe finden. Auch Kunden und Zuhälter könnten jederzeit aussteigen und Unterstützung suchen.

Eine zweite Folge soll sich mit konkreten Ausstiegsmöglichkeiten und der Arbeit von Heartwings befassen.

Präsentierende und Mitwirkende

  • Tabea Engeloch und Timmy Frischknecht (Junge EDU)
  • Graziella Vespucci (Gast und Aktivistin)

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