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Wie schlimm ist DIGGER wirklich? Kritik & Analyse

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Wolfgang M. Schmitt nimmt Digger von Alejandro González Iñárritu auseinander. Gleich zu Beginn kritisiert er auch Filmkritiken, die den Film bloß „schlecht“ nennen, aber aus Angst vor Spoilern nicht erklären, wie er konstruiert ist. Gerade bei diesem Film sei das entscheidend.

Der vermeintliche Sensationsköder ist Tom Cruise als gealterter Öltycoon Digger Rockwell – mit Falten, Bauch und grauen Haaren. Schmitt findet die Verwandlung zwar aufwendig, die Rolle aber erschreckend eindimensional: Cruise brülle und stapfe vor allem durch sein Schloss. Spöttisch meint der Kritiker, man hätte genauso gut John Goodman in Cruise verwandeln oder Cruise ein Schlumpfkostüm anziehen können. Neu wäre es allemal, aber nicht interessanter. Auch Sandra Hüller bekomme als Diggers Schwester kaum etwas zu spielen; John Goodman gebe einen selbstgerechten, senilen US-Präsidenten.

Die Handlung dreht sich um eine drohende Umweltkatastrophe. Warnungen vor Methanfreisetzung und weiteren Risiken werden ignoriert, bis eine gewaltige Masse abbricht und ein Tsunami Hunderttausende oder sogar Millionen Menschen gefährden könnte. In der Krisensitzung treffen Politik und Ölkapital aufeinander. Der Präsident schlägt eine Informationssperre vor; später denkt er sogar daran, China mit Atombomben anzugreifen. Für Schmitt ist das zunächst eine groteske Farce, die aber schnell zu simpel werde – zumal der Film die Katastrophe vor allem einzelnen verantwortungslosen Figuren zuzuschreiben scheine.

Der Kritiker hält dagegen, dass das eigentliche Problem systemisch sei: Unternehmen maximieren ihre Gewinne und lagern Kosten aus, während Staaten im globalen Wettbewerb ihre eigenen Interessen verfolgen. Diggers Bemühungen, seine 38-jährige Katze am Leben zu halten, während er die Klimafolgen seines Geschäfts ignoriert, bringen für Schmitt einen bekannten Widerspruch auf den Punkt: Im persönlichen Nahbereich sorgen Menschen für das, was sie lieben, während sie größere Gefahren verdrängen.

Ein zentraler Kritikpunkt ist die spät enthüllte Rahmenhandlung: Wir sehen nicht einfach Digger und den Präsidenten, sondern Schauspieler bei einer Theaterproduktion über die Ereignisse. Cruise spielt also den Schauspieler Curtis, der seinerseits Digger verkörpert. Iñárritu versucht damit, eine Metaebene einzuziehen und die plakativen Szenen scheinbar selbst zu kommentieren. Schmitt hält diesen Kniff jedoch für ein leeres, aufgesetztes Spiel. Die Inszenierung sehe weiterhin ganz nach Kino aus – mit engen Gängen, wechselnden Räumen und Nahaufnahmen, die auf einer Bühne so nicht funktionieren würden. Das gelegentliche Einblenden des Theaterpublikums mache die Konstruktion nicht überzeugender, sondern lasse sie eher wie einen Trick wirken.

Auch die visuelle Handschrift empfindet Schmitt als abgeleitet: Der Film erinnere stellenweise an Wes Anderson, Roy Andersson und Michel Gondry, erreiche aber nicht deren Eigenständigkeit. Insgesamt sei Digger prätentiös, eitel und pompös wie seine Hauptfigur.

Einen bitteren Gedanken gesteht Schmitt dem Film dennoch zu: Das Publikum sieht im Theater eine nachträgliche Darstellung der eigenen Katastrophe und jubelt am Ende. Menschen passen sich schneller an eine neue Normalität an, als sie rechtzeitig handeln. Kunst kann den Schmerz darüber lindern – ändern lässt sich das Versäumte dann oft nicht mehr.

Genannte Persönlichkeiten

  • Wolfgang M. Schmitt – Filmkritiker und Sprecher der Analyse
  • Alejandro González Iñárritu – Regisseur von Digger
  • Tom Cruise – spielt Digger beziehungsweise den Schauspieler Curtis
  • John Goodman – spielt den US-Präsidenten
  • Sandra Hüller – spielt Diggers Schwester Emma
  • Riz Ahmed – spielt den Experten Dr. Ganish
  • Emmanuel Lubezki – Kameramann
  • Nicolas Cage, Wes Anderson, Roy Andersson, Michel Gondry und John Cassavetes – werden als Vergleichs- beziehungsweise Referenzpunkte erwähnt

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